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Digitalität oder digitalisierte Analogität?

2 Minuten Lesezeit

Digitalisierung, Digitalität und dann? Digitalisierte Analogität???

2026 - 10 Jahre nach Erscheinung des Buches „Kultur der Digitalität“ müssen wir uns fragen, ob wir in einer postdigitalen schulischen Welt angekommen sind. Oder ist es doch eher eine digitalisierte Analogität!?

Wir digitalisieren einfach fröhlich unsere analogen Workflows. In die Klassen hängen wir - modern wie wir alle sind - interaktive Whiteboards. Unterrichtsentwürfe und Arbeitsblätter erstellen wir mithilfe von KI-Tools. …

Die Merkmale, die Felix Stadler zur Kultur der Digitalität 20216 ausführte, sind in einigen Bereichen durchaus angekommen, aber im Bereich der schulischen Bildung ringt man noch mit dem Verständnis der Kultur der Digitalität. Viele Prozesse, die auf Unterrichts- und Schulentwicklung abzielen, bleiben in Digitalisierungsprozessen stecken.
Auch die Bildungsverwaltung steckt in veralteten Strukturen fest.

Wenn wir um Öffnung des Unterrichts ringen, Umsetzungen für fächerübergreifende Projekte etablieren wollen, uns von Fächern, Klassen und bisheriger Bewertungs- und Prüfungskultur lösen wollen, laufen wir gegen Wände. So zumindest mein Gefühl.

Digitalisierung wird nur auf Druck umgesetzt und digitale Workflows immer noch in Frage gestellt.
Schon gewusst: Durch ein digitales Verfahren erzeuge ich mehr Papier, da am anderen Ende der Verwaltungskette die PDFs ausgedruckt und abgeheftet werden. (So viele weinende Emojis wie ich hierfür brauche, gibt es gar nicht.)

Digitalisierung hat nicht zu einer veränderten Kultur geführt - jedenfalls erlebe ich das so. Ziemlich ernüchternd.

Gerade der KI-Hype ernüchtert, zwingt zu einer radikalen Ehrlichkeit.
Was machen wir mit den Möglichkeiten? Effizienzsteigerung bisheriger Arbeitsprozesse - analoger Prozesse. Das ist durchaus hilfreich - keine Frage. Aber hat die Effizienzsteigerung nichts mit Digitalität zu tun.
In seltenen Fällen wird in der schulischen Praxis mit den bereits vorhanden digitalen Möglichkeiten im Sinne einer Kultur der Digitalität gearbeitet.

Referentialität?

Erschöpft sich häufig durch cc in Mails.

Gemeinschaftlichkeit?

Die x-te Version eines Dokuments wird erstellt und rumgeschickt. Gleichzeitiges Arbeiten an Dokumenten, wie ich es schon vor einigen Jahren mit Kollegen an der Uni gemacht habe??? - Fehlanzeige.

Algorithmizität?

excel-Tabellen ist hier die Antwort. Datengestützten Unterrichts- und Schulentwicklung bedeutet eben nicht, eine Fragebogenwelle für die Schulen zu erzeugen, sondern bereits vorhandene Daten - die übrigens in verschiedenen Institutionen verstreut liegen, zu bündeln, zu analysieren und zu interpretieren.

Genug des Gejammers. Ich brauche positive Beispiele. Deshalb fahre ich jetzt zur didacta, um die alte Bildungsbubble zu treffen und wieder ein wenig Motivation aufzutanken.